Die Disponenten der Integrierten Leitstelle Biberach behalten auch im schlimmsten Notfall einen kühlen Kopf

Foto: Thomas Warnack – Mit Stolz können Peter Haug Geschäftsführer der Rotkreuzarbeit, Kreisbrandmeister Florian Peters und DRK-Geschäftsführer Michael Mutschler auf Gerhard Stallbaumer und Marius Roemer von der Integrierten Leitstelle Biberach blicken. Die beiden Disponenten der Leitstelle Biberach sind die ersten von landesweit 14 Absolventen, die nach den neuen Ausbildungsrichtlinien des Landes Baden-Württemberg im Rahmen einer mehrmonatigen Zusatzausbildung auf ihre Tätigkeit in der Integrierten Leitstelle vorbereitet wurden und die Abschlussprüfung an der DRK-Landesschule erfolgreich bestanden haben.

LANDKREIS BIBERACH (DRK) – Wann immer im Kreisgebiet Not am Mann ist und die Rufnummer 112 gewählt wird, tritt die Integrierte Leitstelle (ILS) des Landkreises in Aktion. In der ILS werden alle Notrufe entgegengenommen und bearbeitet. Egal ob medizinischer Notfall, schwerer Verkehrsunfall oder Brand – die gut ausgebildeten Disponenten behalten auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf und sorgen klar strukturiert und nervenstark dafür, dass jeder Anrufer schnellstmöglich Hilfe erhält.
Betrieben wird die Integrierte Leitstelle (ILS) vom DRK-Kreisverband und dem Landkreis Biberach. In der Leitstelle im Rot-Kreuz-Weg in Biberach koordinieren die Disponenten die Einsätze von insgesamt 133 Feuerwehren, davon sieben Stützpunktwehren und fünf Werkfeuerwehren im Landkreis sowie die Einsätze des Rettungsdienstes mit Rettungswagen, Rettungshubschrauber, Intensivtransportwagen, Notärzten sowie dem Bevölkerungsschutz und den Einsatz des Technischen Hilfswerks. Darüber hinaus kümmern sie sich um die Disposition des Krankentransportes und des ärztlichen Notfalldienst sowie der Alarmierung der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach oder den Einsatz von Rettungshunden.
Gerhard Stallbaumer und Marius Roemer von der Integrierten Leitstelle Biberach sind die beiden ersten von landesweit 14 Absolventen, die nach den neuen Ausbildungsrichtlinien des Landes Baden-Württemberg im Rahmen einer mehrmonatigen Zusatzausbildung auf ihre Tätigkeit in der Integrierten Leitstelle vorbereitet wurden und die Abschlussprüfung an der DRK-Landesschule erfolgreich bestanden haben.

Alle Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle haben eine fundierte, mehrjährige abgeschlossene rettungsdienstliche Ausbildung und verfügen über mehrjährige Einsatzerfahrung. Die fachlichen Qualifikationen werden außerdem durch spezielle Ausbildungsmodule ergänzt. Dazu zählen beispielsweise die operativ-taktischen und administrativorganisatorischen Grundlagen im Großschadenmanagement und Katastrophenschutz sowie eine feuerwehrtechnische Zusatzausbildung an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal.
Auch für Gerhard Stallbaumer war vieles neu – und das obwohl der 49-Jährige seit mehr als 20 Jahren Rettungsassistent und ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist: „Vor allem die strategischen und organisatorischen Abläufe und Hintergründe, warum bei einem großen Schadensereignis, wie beispielsweise bei einem Hochhausbrand was in welcher Reihenfolge gemacht werden muss. Neu und interessant war für mich auch die Koordination und die Alarmierungsabläufe der ehrenamtlichen Feuerwehrleute, wenn bei einem großen Notfall mehrere Wehren im Einsatz sind.“ Für ihn, so Stallbaumer, sei die Zusatzausbildung zum Disponenten der ILS eine Chance gewesen, sich noch einmal innerhalb seines Berufes weiterzubilden und damit ein weiteres Betätigungsfeld zu eröffnen. Trotzdem möchte er auch weiterhin noch als Rettungsassistent im Rettungswagen unterwegs sein. Gerhard Stallbaumer sagt: „Der Kontakt zu den Menschen ist mir wichtig. Ich will das Gefühl für die Leute draußen behalten, die unsere Hilfe brauchen und deshalb nicht ausschließlich im Innendienst tätig sein.“

Sein Kollege, Marius Roemer, ist 33 Jahre alt und seit zehn Jahren als Rettungsassistent beim DRK-Kreisverband. Lachend erklärt er: „Ich bin nach meiner Zeit als Zivi beim DRK hängen geblieben.“ Auch er war lange Jahre ehrenamtlicher Feuerwehrmann. Und wie für seinen Kollegen Stallbaumer, sei auch für ihn bei der Zusatzausbildung gerade die Koordination mehrerer Mannschaften und Löschzüge sowohl bei den theoretischen wie auch bei den praktischen Übungen eine Herausforderung gewesen. Denn immerhin muss der Disponent der ILS bei einem größeren Schadensereignis 50 bis 70 Einsatzkräfte koordinieren können. Damit dies gelingt, müssen im Ernstfall alle gut im Team zusammenarbeiten. Marius Roemer freut sich: „Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren in der Leitstelle tätig und das Besondere bei uns im Landkreis Biberach ist vielleicht, dass das Miteinander mit Feuerwehr, DRK, ASB, Polizei, THW und der Notfallseelsorge sehr gut ist.“

Das bestätigt auch DRK-Geschäftsführer Micheal Mutschler. Er ist verantwortlich für die ILS Biberach. Und er erklärt: „Die qualifizierte Ausbildung, eine gute Kommunikationsfähigkeit – auch in englischer Sprache – sowie die Stärke, unter hoher psychischer und physischer Belastung auf der Basis der Informationen des Notrufes die Lage richtig zu beurteilen, ermöglichen es den Disponenten schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen und die notwendigen Einsatzfahrzeuge zu alarmieren.“ Damit wird sichergestellt: Wer die 112 anruft, erhält sofort Hilfe und klare Hinweise zu Erstmaßnahmen. Auch Kreisbrandmeister Florian Peters freut sich über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung der beiden Mitarbeiter und erklärt: Ein guter Ausbildungsstand trägt zu einer optimierten Qualität in den Entscheidungsprozessen bei.“

Im Jahr 2013 betrug die Zahl der eingehenden Notrufe 146 429, was einem täglichen Aufkommen von durchschnittlich 401 Notrufen gleichkommt. Um die vielfältigen Aufgaben in der Integrierten Leitstelle bewältigen zu können, stehen in Biberach rund um die Uhr zwei Disponenten zur Verfügung. Bei besonderen Schadensereignissen, wie etwa einem Unwetter, könne die Anzahl der Disponenten innerhalb weniger Minuten durch weitere Leitstellenmitarbeiter aufgestockt werden, so Geschäftsführer Michael Mutschler. Dankbar ist Mutschler auch den Krankenkassen, die als Kostenträger
den den Anteil der rettungsdienstlichen der Ausbildung übernehmen. Hans-Joachim Seuferlein, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Ulm-Biberach und derzeitiger Vorsitzender des Bereichsausschusses Biberach, sagt dazu: „Die Krankenkassen beteiligen sich deshalb gerne an den Ausbildungskosten für die Disponenten, weil diese für die regionale Versorgung einen unschätzbaren Wert haben. Gerade im ländlichen Raum ist eine hohe Qualität in der Disposition der Hilfe bei Notfällen erforderlich, da meist jede Minute zählt. “Die andere Hälfte der Kosten finanziert der Landkreis Biberach.

Der DRK-Kreisverband Biberach e.V. ist mit über 14.000 Mitgliedern der größte Wohlfahrtsverband im Landkreis Biberach. Mehr als 600 Helferinnen und Helfer engagieren sich ehrenamtlich in zwölf Ortsverbänden. Hinzu kommen über 200 Mitglieder des Jugendrotkreuzes. An sechs Rettungswachen werden Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes und des Krankentransportes, welche von rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt werden, rund um die Uhr für die Bevölkerung vorgehalten. Die zentrale Verwaltung bildet die Kreisgeschäftsstelle in Biberach. Vorsitzender ist Peter Schneider, MdL.

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